E.ON-Chef: Emissionshandel ausweiten
Der Vorstandvorsitzende des Energiekonzerns E.ON, Wulf H. Bernotat, hat in einem Interview mit der “Welt” einen globalen CO2-Markt zur Verbesserung des Klimaschutzes gefordert. Gleichzeitig rechtfertigte er den momentanen Kurs seines Unternehmens.
Bernotat kündigte eine baldige schriftliche Positionierung seines Unternehmens in Hinblick auf die im Dezember 2009 anstehende UN-Klimakonferenz in Kopenhagen an. In den nächsten Tagen solle ein Positionspapier erscheinen, dass die Teilnehmer des Klimagipfels dazu aufrufen wird, “einen einheitlichen CO2-Handelsmarkt zu entwickeln.” Darin sollten nicht nur wie bisher der Industrie- und Energiesektor eingebunden werden, sondern ebenso Verkehr, Land- und Bauwirtschaft. Durch diesen Markt könnte eine weltweit gleichmäßige CO2-Preisbildung und somit ein effizienterer Klimaschutz verwirklicht werden, erklärt Bernotat. Darüber hinaus würden aber ebenso die zentralen Aspekte der Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit der Energie für Verbraucher berücksichtigt.
Verschiedene Aspekte zu berücksichtigen
Wie aus Bernotats Erläuterungen hervorgeht, wird auch sein eigener Konzern an der Verwirklichung dieser drei zentralen Aspekte mitwirken. Der Klimaschutz werde durch Investitionen in Höhe von insgesamt acht Milliarden Euro zwischen 2007 und 2011 vorangetrieben. Damit würde der – derzeit nur zehn Prozent betragende – Anteil der Investitionen an erneuerbaren Energien in Zukunft ansteigen. Außerdem kündigte Bernotat an, die Emissionen der von E.ON betriebenen Kraftwerke würden bis zum Jahre 2030 halbiert.
Die Versorgungssicherheit und Bezahlbarkeit könnten allerdings aufgrund der noch fehlenden Grundlastfähigkeit der regenerativen Energien noch nicht mit Hilfe von Ökostrom realisiert werden. Daher plane und baue der Konzern unter anderem sechs neue Kohlekraftwerke in Europa. Diese seien aufgrund der Zertifikate- und Emissionsregelungen um 20 bis 25 Prozent effizienter als die alten und würden somit die “preisgünstige und leicht verfügbare” Kohle klimafreundlich nutzen können. Auch sei die Ressource eine langfristig sicheres Fundament, da sie im Gegensatz zum bald knapp werdenden Gas noch rund 500 Jahre verfügbar sein werde.
Verbraucher nicht überzeugt
Aus den Ausführungen Bernotats lässt sich also schließen, dass E.ON seiner Meinung nach nicht nur zum Umweltschutz beiträgt, sondern den Verbrauchern auch bezahlbare Preise und eine stablie Versorgung sichert. In Anbetracht der steten Preiserhöhungen und der gleichzeitigen Hiobsbotschaften über den Klimawandel scheint eine gewisse Skepsis gegenüber dieser Ansicht allerdings durchaus angebracht. Diese ist bei Verbrauchern auch vorhanden: Jüngst straften eine Mehrzahl der Beteiligten einer Greenpeace-Umfrage die großen deutschen Energiekonzerne bezüglich ihrer Preispolitik und ihres Klimaengagements deutlich ab. Auch die Kern- und Kohlekraftwerksvorhaben, vor allem in Osteuropa, wurden kritisiert. Das Gesamturteil von Greenpeace lautete: “Durchgefallen”. Angesichts dieser Unzufriedenheit dürfte der E.ON-Chef es schwer haben, die Kunden durch seine Erklärungen wieder auf seinen Seite zu bringen.
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