Der teure Winter oder Die Gaspreiskurve
Mit einer beängstigenden Regelmäßigkeit werden die Gaspreise zum Beginn jeder Heizsaison deutlich angehoben und anschließend nur äußerst verzögert gesenkt. Auch dieses Jahr wird der Winter für die Verbraucher voraussichtlich wieder teuer.
Für die Energiekonzerne ist die Taktik profitabel und wirtschaftlich gesehen absolut nachvollziehbar. In den Wintermonaten wird 80 Prozent des Jahresbedarfs an Erdgas verbraucht, hier gibt es also die meisten Gewinne einzufahren. Folglich wird der Preis in dieser Zeit so hoch gehalten, wie es durch die Ölpreisbindung irgend möglich ist. Wenn die Sonne wieder an Kraft gewinnt, beginnt das Trommelfell der Konzerne langsam wieder zu arbeiten und erhört das Gezeter der Verbraucherverbände, das bereits seit Monaten erklingt. Langsam und gemächlich werden dann über die warmen Monate verteilt die Gebühren unter lauten Werbegetöse gesenkt, um die Verbraucher zu beruhigen und neue Kunden anzulocken. In dieser Phase befinden sich die deutschen Erdgas-Bezieher momentan: Nach deutlichen Worten aus Politik und Öffentlichkeit werden nun bis zum Herbst die Preise um durchschnittlich rund 25 Prozent abgesenkt und die Unternehmen übertreffen sich selbst mit ihren angeblich günstigen Tarifen und vermeintlich kundenfreundlichen Angeboten.
Temperaturen runter, Gaspreis rauf
Aber sobald es wieder kälter wird, geht es bergauf mit den Preisen. So auch in diesem Jahr. Der Vorsitzende der Geschäftsführung des Kasseler Versorgers Wingas, Rainer Seele, bestätigte die Beibehaltung der Gaspreiskurve am Freitag in Düsseldorf. Nach Informationen des “Focus” kündigte er eine Preiserhöhung für Erdgas-Kunden zum Ende des laufenden Jahres an – also erwartungsgemäß mitten in die Heizsaison. Ebenso zu erwarten war die Begründung Seeles für diesen Schritt: Hintergrund sei der gestiegene Ölpreis, erklärte er. Dieser ist derzeit zwar tatsächlich auf einem erneuten Steigflug, was die Schritte prinzipiell rechtfertigen würde. Jedoch lehrt die Erfahrung, das ein fallendes Ölpreisniveau stets nur mit einer starken Verzögerung an die Gaskunden weitergegeben wird. Gerecht wäre es also eigentlich, die höheren Ölpreise erst im kommenden Frühjahr wirksam im Gassektor umzusetzen. Aber der Markt ist nicht immer gerecht und besonders auf dem Gasmarkt fehlt es noch immer an einem ausreichenden Wettbewerb, um die Gaspreiskurve zu Gunsten der Kunden zu glätten oder zu modifizieren. Die Verbraucher können die Härte der Preisveränderungen zwar durch einen Wechsel zu einem kleineren Konkurrenzanbieter oft abmildern und einiges an Geld sparen sowie den Wettbewerb stärken. Auch das Bundeskartellamt versucht mit seinen Mitteln, die Macht der großen Anbieter einzudämmen. Aber aus der Politik kommt – wohl auch aufgrund der durch Erdgas, -Öl und Strom in die Kassen fließenden Steuergelder – nach wie vor tendenziell zu wenig wirklich wirksame Unterstützung.
Daher werden die Verbraucher in Deutschland wohl noch einige teure Winter über sich ergehen lassen müssen, bis sich die Lage merklich aufklaren kann und sich ein faires und transparent überprüfbares Preissystem sowie ein wirkungsvoller Wettbewerb auf dem Energiemarkt etabliert.
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Ich sehe die Entwicklung ähnlich, jedoch kann man feststellen, dass auf dem Gasmarkt der Wettbewerb so langsam in Gang kommt. Wenn man vor 3 Jahren kaum eine Auswahlmöglichkeit hatte, so kann man jetzt feststellen, dass in den meisten Regionen mehrere Wettbewerber Gas anbieten, siehe hierfür beispielsweise http://www.clever-gas.de Jetzt liegt es an dem Verbraucher die Gaspreise zumindest für einen geringen Teil selbst zu bestimmen.